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Prolog
Vorab ein rießiges Dankeschön an RainToFire, welche sich dazu bereit erklärt hat, das 1. Kapitel zu überarbeiten und nun Beta-Leserin dieser Geschichte ist.
Es war Anfang September. Die Sonne schien warm auf das große Gebäude herab und der leichte Wind umsauste das Haar des Mädchens, welches humpelnd das Schulgelände betrat.
Sie musste zugeben, dass die Krücken nicht unbedingt hilfreich dabei waren, Agil zu sein. Auch dass sie die Umhängetasche mehr als störend empfand, war kein Wunder. Immerhin schaukelte ihr das Teil schon seit Beginn ihres Schulwegs vor den Beinen herum und prallte noch zu allem Überfluss ständig gegen ihre Krücken.
Murrend lief die Orangehaarige über den Schulhof in Richtung Eingang und musterte das Gelände inklusive dem Gebäude. Das war also ihre neue Schule. Die Touou Akademie.
Mit einem nicht sehr begeisternden Blick betrat sie das Hauptgebäude der Schule. Gut, jetzt musste sie nur noch ihr Klassenzimmer finden. Der Gang vor ihr war voll und das Mädchen wollte schon instinktiv kehrt machen, doch sie musste sich schlussendlich aber einen Weg durch die Massen bahnen. Das stellte sich als schwerer heraus, als es auf dem ersten Blick aussah.
Es dauerte ungelogen fast zehn Minuten bis sie ihr Klassenzimmer im zweiten Stock fand. Akira sah schläfrig und total fertig durch die geöffnete Tür in den Raum. Einige Schüler hatten schon Platz genommen, andere standen verteilt um einzelne Tische herum.
Tiefe Augenringe prägten das eher längliche Gesicht Akiras, welche ihrem Ausdruck etwas ernstes und müdes verliehen. Gerade an die Türschwelle herangetreten, stieß plötzlich jemand von hinten gegen sie, wodurch das 17 jährige Mädchen nach vorne stolperte und ihr Gleichgewicht verlor. Mit der Eleganz eines Sack Kartoffeln legte sie sich der Nase nach hin und spürte schon den Schmerz aufkeimen. Na toll.
„Oh, tut mir leid. Ich hab‘ dich nicht gesehen!“, vernahm sie eine sehr laute Stimme hinter sich. Welch‘ ein starkes Organ. Kurz darauf spürte sie schon zwei kräftige Hände an ihren Armen, die sie aufrappelten. Seufzend ließ sich helfen und griff nach ihren Krücken. „Danke.”
Als sie einen festen Stand hatte, musterte sie den großen Jungen. Akira zu übersehen war bei ihren 1,78m sehr schwer, allerdings war er nochmal einen Kopf größer als sie. Er hatte hellblonde Haare und war von der Statur her sehr kräftig gebaut.
„Ich bin übrigens Kosuke Wakamatsu.“
Er reichte ihr die Hand. Verwundert musterte er ihren Blick, als sie seine Hand nicht nahm. „Akira Matsumoto.“
„Ah, dann bist du die Neue.“
„Ja… Schreist du immer so?“, fragte sie schließlich. Der blonde Junge vor ihr stockte kurz. Jetzt schien ihm aufzufallen, dass sie ihm nicht die Hand gegeben hatte, da sie sonst eine ihrer Krücken hätte loslassen müssen.
„Ok, da wir das jetzt geklärt hätten. Ich würde mir gerne einen Sitzplatz suchen“, sagte sie und humpelte schließlich mit ihren Krücken zu einem freien Sitzplatz recht mittig an der Türseite. Jedoch setzte der blonde sich direkt hinter sie. „Bist du eigentlich immer so schlecht gelaunt.” „Nur, wenn ich am frühen Morgen umgerannt werde.”
Akira wusste nicht so recht, was sie von ihm halten sollte. Er war laut und schien sehr impulsiv zu sein. An sich war das ja nicht schlimm, aber Akira hatte lieber ihre Ruhe. Gerade jetzt, wo erst einmal mit ihren Krücken klar kommen musste. Anscheinend hatte der Schreihals das Interesse von einigen ihrer Klassenkameraden geweckt. Sie bemerkte, wie einige von ihnen immer wieder zu ihr herüber sahen, sich aber nicht wirklich trauten, die Orangehaarige anzusprechen.
Knappe zehn Minuten später betrat der Lehrer das Klassenzimmer. Der dunkelhaarige Lehrer war sehr enthusiastisch. „Guten Morgen! Mein Name ist Kishimoto und ich werde dieses Jahr euer Klassenlehrer sein. Ich werde Sie in den Fächern Mathematik und Physik unterrichten. Da Sie ja alle im zweiten Jahr sind, sollten Sie alle wissen, wie die Regeln an der Schule laufen. Der morgendliche Appell findet jeden Montag um 8:15 Uhr statt, Ausnahmen werden vorher bekanntgegeben“, sein Blick fiel auf seinen Notizzettel, „Ah Matsumoto-san, würden Sie bitte nach vorne kommen und sich vorstellen, da Sie ja neu an der Schule sind.“ Die Orangehaarige seufzte leise, schnappte sich ihre Krücken und humpelte nach vorne. „Mein Name ist Akira Matsumoto, ich bin 17 Jahre und komme ursprünglich aus Osaka. Auf gute Zusammenarbeit!“ Man sah die neugierigen Blicke ihrer Klassenkameraden, trotzdem setzte sie sich diese ignorierend hin, lehnte die Krücken gegen ihren Tisch und folgte dem Lehrer.
„Ihr könnt sie in der Pause durchlöchern. Dann möchte ich euch noch darauf hinweisen, dass alle bis spätestens nächsten Freitag einem Club beigetreten sein müssen. Dazu steht Ihnen ab diesem Jahr die Möglichkeit zur Verfügung, mit einem Berufsberater oder Vertretern der Uni zu sprechen. Die Sprechzeiten finden Sie an der schwarzen Wand am Sekretariat.“ Ein leises Raunen ging durch die Runde. Während der Lehrer weiter redete, schaltete Akira ab und starrte ins Nichts.
Die Pause wurde dagegen schon interessanter. Während Akira aus ihrer Tasche eine Dose mit Obstsalat heraus holte, hatten sich ein paar Schüler um sie versammelt.
„Matsumoto-san, warum wohnst du nicht mehr in Osaka?”, hörte sie eine Frage.
„Was ist mit deinem Knie passiert?”, redete jemand dazwischen.
„Warum brauchst du die Krücken?”
„Hast du einen Freund?” Ein wirres Durcheinander.
„Wie gefällt es dir in Tokyo?”
„Was für Hobbys hast du?”
„Machst du viel Sport?”...
Die Fragen prasselten nur so auf sie ein.
Akira seufzte leise öffnete gemächlich ihre Dose und nahm sich eine kleine Gabel. „Meine Familie ist nach Tokyo umgezogen. Ich hatte einen Unfall mit dem Mountainbike und darf mein Knie nicht belasten.“,sagte die ruhig, „Nein, ich habe keinen Freund. Ich habe auch nicht viele Hobbies momentan.” Damit stopfte sie sich eine Gabel mit Obst in den Mund.
„Weißt du denn schon, was für einem Club du beitreten willst? Der Tanzclub sucht noch große Mitglieder”, fragte ein Mädchen mit hellen blauen Haaren und eher weichen Gesichtszügen. Sie lächelte und sah Akira erwartungsvoll an. “Ähm.. tut mir leid, aber ich kann leider absolut noch nicht sagen, in welchen Club ich später möchte.”
„Ja natürlich, Matsumoto-san. Du kannst auch gerne zur Probestunde kommen. Ich bin übrigens Hana Fujima.”
„Freut mich. Akira Matsumoto, aber das weißt du ja schon.” „Die Neue für den Club anwerben und sich danach vorstellen, das ist ja mal wieder typisch. Außerdem mit den Krücken im Tanzclub“, lachte ein Junge, der anscheinend mitgedacht hat. „Wakamatsu-kun! Immerhin habe ich sie nicht gleich über den Haufen gerannt.” Er schnaubte und stützte sich auf ihrer Stuhllehne ab. „Als ob ich das mit Absicht gemacht hätte.” Hana legte ihre Hand auf Akiras Schulter. „Du kannst auch gerne erstmal zu schauen und wenn du wieder Sport machen darfst, kannst du dann aktiv mitmachen. Der Coach braucht immer ein wenig Unterstützung.” Akira nickte schluckte ihr Essen runter und sagte dann schließlich: „Danke Fujima-san, aber ich werde mich erstmal über die anderen Clubs informieren."
“Habt ihr schon gehört, dass einer der Generation der Wunder an der Schule sein soll?”, fragte schließlich ein recht großer Junge neben Wakamatsu. Die Blauhaarige rollte mit den Augen. „Nicht jeder interessiert sich hier für Basketball.”
„Jaa! Es handelt sich um Aomine Daiki. Das Genie unter den Spielern. Er ist groß, braun gebrannt und heiß!”, sagte ein Mädchen rechts von ihr mit hellbraunen Haaren. Sie schien verhältnismäßig klein zu sein. “Kugo-chan! Fall mir doch nicht in den Rücken. Außerdem ist er dir doch eh zu Jung.”
Die Braunhaarige grinste und stütze sich mit den Ellenbogen auf dem Tisch ab. „Deswegen ist gucken doch nicht verboten”, sagte sie verschlagen.
Akira fühlte sich irgendwie leicht eingeengt, mischte sich aber nicht in das Gespräch ein, sondern aß in aller Seelenruhe ihren Obstsalat. Währenddessen brach eine kleine Diskussion aus. Akira wurde endlich erlöst, als der Lehrer das Zimmer betrat und alle zu ihren Plätzen aufforderte. In diesem Moment stellte sie fest, dass Hana Fujima schräg vor ihr saß und neben ihr das braunhaarige Mädchen. Der braunhaarige Freund von Wakamatsu saß direkt vor ihr. Hoffentlich wurde ihr Tisch nicht jede Pause zum Treffpunkt..
Es war Mittag, als Akira die Listen durchging. Sie hatte sich nach Schulschluss von allen mit der Begründung verabschiedet, sie wolle sich in Ruhe für ein Club entscheiden. Für den Tanzclub standen sogar bereits 4 neue Mitglieder drin. Auch in den anderen hatten sich bereits einige eingetragen. Schließlich stellte sie fest, dass es keine Liste für einen Mädchen Basketball Club gab.
Sie wand sich einem Jungen neben ihr zu, der angestrengt die Liste Jungen Basketball musterte. Er war etwa so groß wie sie, hatte etwas länger dunkle Haare und eine Brille, die er hochschob. Er war von der Statur her eher schmal, wirkte aber dennoch muskulös. Schließlich fragte sie: „Entschuldigung, kannst du mir sagen wo ich die Liste für die Mädchen Basketballmannschaft finden kann?“ Den Blick, den er ihr zuwarf fand sie erst verwirrend, dann leicht beängstigend. „Die Mädchenmannschaft. hat sich letztes Jahr aufgelöst, nachdem drei Haupt-Spielerinnen sowie der Trainer die Schule verlassen haben.“ Er musterte sie mit einem Blick, der ihr Gänsehaut bescherte.
„Dankeschön.“ „Imayoshi.“
Murrend drehte sie sich um und wollte davon humpeln.
„Wenn einer sich vorstellt, sollte man ihm ebenfalls seinen Namen nennen.” „Matsumoto, Akira“, murrte sie. Er war unheimlich, sie wollte hier weg und nie wieder mit ihm sprechen.
Der Weg nachhause war anstrengender als gedacht und vermutlich hatte sie sich auch kurzzeitig verlaufen, denn auf dem Hinweg hatte sie gerade einmal 20 Minuten gebraucht. Jetzt war sie bereits 40 Minuten unterwegs und hatte jetzt erst den Spielplatz gegenüber von dem kleinen Park entdeckt, an dem sie auf dem Hinweg vorbeigekommen war. Zielsicher steuerte sie ihr neues Zuhause an.
Die Wohnung im 4 Stock war recht groß für einen 2 Personenhaushalt und war eine 4-Zimmer Wohnung. Der Flur war hell gehalten, vor allem da er kein Fenster hatte. Eine Tür ging in die offene Küche, eine weitere in das angrenzende Wohnzimmer. Dann folgte die Tür zum Arbeitszimmer und Schlafzimmer ihres Vaters. Zwischen ihrem Zimmer und dem Schlafzimmer ihres Vaters befand sich ein kleines Bad.
Akira schlüpfte aus ihren Schuhen und stellte ihre Tasche ab. Ihr Vater schaute aus seinem Arbeitszimmer heraus. „Nanu? Du bist schon da?“ „Ja, der Stundenplan gilt erst ab morgen.“ „Achso wie geht es deinem Knie?“ Sein Blick fiel auf des bandagierte Knie und er schüttelte leicht den Kopf. „Geht so.“ „Immer diese wagemutigen Sportler“, lachte er. „Ein Junge aus meiner Klasse hat mich übersehen und ich lag dann erstmal. Das tat weh und danach hat er mich halb angeschrien“, murrte sie und ließ sich auf dem Stuhl am Küchentresen fallen. „Und ich muss meinen Rucksack raussuchen. Meine Tasche baumelt ständig gegen die Krücken.“ „Oh, sonst alles ok?“ „Joa. Denke mal schon“, murrte sie, während sie sich ein Glas Wasser nahm.
„Hast du dir denn schon einen Club rausgesucht.“ „Ich wollte eigentlich in den Basketballclub, aber der hat sich angeblich aufgelöst.“ Der Blick, den Akiras Vater in dem Moment seiner Tochter schenkte, sagte ihr alles. „Oh nein. Ich werde definitiv keinen Basketballclub aufbauen.“ Ihr Blick hätte töten können.
„Aber du weißt, was du brauchst und in Osaka-“ „Hör mir auf mit Osaka!“, schrie sie. „Ja ist schon gut... Ich meine, wenn du den Club wieder aufbauen würdest, wärst du von Anfang an dabei und hättest weniger Probleme dich zu integrieren“, sagte er und musterte sie. „Ich könnte mir auch einfach einen anderen Club suchen und dort als Assistenzcoach oder Managerin anfangen“, murrte sie und trank das Glas Wasser etwas frustriert aus. „Klar, dann sag mir mal, welche Clubs denn noch Manger suchen?“ Sie schob ihre Unterlippe vor und schwieg. „Du kannst natürlich auch einen Club nehmen, der nichts mit Sport zu tun hat.“ Ein weiterer böser Blick von Akira. „Ich bin doch für sowas total untalentiert. Ich kann nicht Kochen. Basteln ist auch nicht so meins. Für Bücher interessiere ich mich nur zum Teil. Zeichnen kann ich nicht. Computertechnik ist auch nicht so mein Ding. Fotografien sind auch nicht so das Wahre. Filme nutze ich nur, um ein Training zu analysieren. Werken und Holzarbeit mag ich zwar, aber irgendwie ist das nichts, was ich dauerhaft tun könnte.“ „Dann Bau halt den Basketballclub wieder auf. Oder du wirst Manager des Jungen Clubs.“ Wieder ein böser Blick von Akira. „Nur über meine Leiche“, fauchte sie und humpelte ohne Krücken in ihr Zimmer.
Dieses war relativ schlicht eingerichtet. Ihre Wände waren in einem hellem Grün geschnitten. Ein recht großes Bett, ein sehr großes Regal gefüllt mit Sachbüchern und eine Arbeitsplatte, die als Schreibtisch diente. In der Ecke stand eine Stereoanlage und genau da wo der Bürostuhl stand, war auch ihr Laptop zu finden. Am Fußende ihres Bettes stand ihr hellbrauner Kleiderschrank. Eine recht kleine Palme stand in der Ecke direkt neben der Tür.
Die Schülerin ließ sich auf ihrem Bett fallen und verzerrte ihr Gesicht zu schmerzvollen Grimasse, als sie mit dem Knie aufkam. Es frustrierte sie, dass ihr Vater so recht hatte. Entweder sie suchte sich einen Club ohne Sport oder sie musste den Basketballclub wiederaufbauen. Auch wenn sie es nicht wollte, sie wusste ganz genau, wie ihre Entscheidung aussehen würde. Sie seufzte, vergrub ihr Gesicht in ihr Kissen und stöhnte genervt auf.
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